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No Country for old Men: Die Magie liegt im Detail
Die 32-jährige Charakterdarstellerin ist auf der britischen Insel ein Star. Dank ihrer Rolle im neuen Film „No Country for Old Men“, der auf einer Romanvorlage von Cormac McCarthy beruht, könnte ihr nun auch der Sprung über den großen Teich gelingen – mit oder ohne schottischem Akzent. Wir trafen sie beim Filmfestival in Toronto.
Wie war es für Sie mit zwei Regisseuren zu arbeiten?
Kein Problem. Mit Ethan Coen hab’ ich mich besonders gut verstanden. Ich wusste, wie ich seine Neugier wecken konnte, vor allem, nachdem ich sein Buch mit Kurzgeschichten gelesen hatte. Wenn man Ethan eine Geschichte erzählt, die er mag, reagiert er immer gleich. Zuerst starrt er auf die Decke, lässt alle Infos durch sein Gehirn rattern. Dann beginnt er zu lachen. Man muss ihn einfach gern haben.
Die Rolle der naiven, texanischen Hausfrau haben Sie wunderbar zurückhaltend angelegt ...
Wenn man mich im Film sieht, denkt man: Was für ein naives, kleines Mädchen! Aber ich habe diese Ebene von Loyalität und echter Liebe. Am Ende bricht meine wahre Stärke hervor. Ich weiß, dass es keinen Ausweg gibt, aber ich verliere meine Würde nicht. Jedes Mal wenn ich die Szene zwischen mir und Javier Bardem – dem Killer – sehe, bin ich gerührt. Sie bricht mir das Herz.
Nach einem Coen-Film wird Hollywood auf Sie aufmerksam werden ...
Es gibt bestimmte Filme, wie „Trainspotting“ oder „Gosford Park“, die meine Karriere beeinflusst haben. Aber ich bin nie wirklich groß durchgestartet. Ich weiß, dass viele Regisseure und Schauspieler diesen Film sehen werden, das macht mich glücklich. Die Leute reden dauernd über irgendwelche Türen, die sich öffnen. Ich hab bis jetzt noch keine entdeckt. (lacht)
Wie kamen Sie zum Schauspiel?
Ich habe Film immer schon gemocht. Als Mädchen liebte ich „Calamity Jane“ und „Singing in the Rain“. Ich war geradezu besessen. Gene Kelly war der erste Typ, in den ich verknallt war. Das ist schon ein bisschen eigenartig für jemanden, der 1976 geboren ist. Finden Sie nicht? (lacht) Ich wollte eine Schauspielausbildung machen, war aber viel zu schüchtern. Als ich von dem Casting für „Trainspotting“ hörte, dachte ich: Probier es aus, sonst wirst du es später bereuen.
Wie war die Zusammenarbeit mit Josh Brolin, der ihren Ehemann spielt?
Josh ist unglaublich. Ich freu mich sehr für ihn. Seine Rolle war enorm schwierig. Er hat kaum Dialoge und ist die meiste Zeit allein mit der Landschaft. Aber er sagt so viel ohne Worte. Er ist perfekt. Und er reißt ständig Witze. Er kommt zu dir, schüttelt dir die Hand und sagt: „Hallo, ich bin Josh Brolin aus ‚Die Goonies‘!“
Javier Bardem spielt das personifizierte Böse. Die Frauen im Film haben aber keine Angst vor ihm, sie scheinen das stärkere Geschlecht zu sein.
Ja, das ist lustig. Da steckt doch was dahinter! Ich glaube, die Coens wollten einfach starke Charaktere. Es gibt drei Hauptrollen und ein wunderbares Ensemble an Nebendarstellern. Kein Charakter ist weniger liebevoll gezeichnet als der andere. Sie sind genaue Beobachter und gute Menschenkenner. Die Magie liegt bei ihnen immer im Detail.
Haben die Coens mit Ihnen über dieses starke Frauenbild gesprochen?
Nein, darum ging es nicht. Sie wollten einfach starke Charaktere. Es gibt drei Hauptrollen und ein wunderbares Ensemble an Nebendarstellern. Da gibt es keine einzige Schwachstelle. Kein Charakter ist schlechter oder weniger liebevoll gezeichnet als ein anderer.
Liegt das auch an der Romanvorlage von Cormac McCarthy?
Das Erstaunliche an Cormac McCarthys Schreibstil ist, dass er extrem sparsam mit Wörtern umgeht und trotzdem alles kommuniziert. Er sagt in drei Worten das, wofür andere Schriftsteller eine Seite brauchen.