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Unterirdische Achterbahn
Es ist verdammt finster, tief unter den Straßen von Moskau, vor allem seit auch oben, im nuklearen Winter, nach einem globalen, alles vernichtenden Atomkrieg die Lichter ausgegangen sind. Die letzten Überlebenden fristen in den riesigen Schächten und Luftschutzeinrichtungen der Moskauer Metro ihr kümmerliches Dasein im Schein von Petroleumfunzeln, Lagerfeuern und Bogenlampen. Das ist unser Zuhause – ein riesiges, auf ein 300 Kilometer langes Tunnelsystem verstreutes Flüchtlingslager, eine Gesellschaft, die sich mit Kunst der Improvisation und dem Mut der Verzweiflung gegen das scheinbar unausweichliche Ende stemmt. Die verlassenen Schächte zwischen den Stationen werden von unheimlichen Anomalien, Geistern und mutierten Monstern bevölkert, aber auch die letzten Überlebenden, Banditen, Kommunisten, Faschisten, Halsabschneider und Glücksritter, bekämpfen sich unter Tage bis aufs Blut. Und wir, in der Gestalt des jungen Tunnelbewohners Artjom, der noch nie die Oberfläche gesehen hat, müssen da durch, um unsere Heimatstation zu retten: quer durch Moskau, tief unter der Erde.
Tempo unter Tage
Das zweitgrößte U-Bahn-System der Welt ist ein beeindruckender Schauplatz für einen Endzeit-Shooter, und der ukrainische Entwickler A4 Games liefert mit seinem Spiel zur Buchreihe des russischen Autors Dimitri Gluchowski, der sich zu seinem Bestseller übrigens von der »Fallout«-Spieleserie inspirieren ließ, buchstäblich eine imposante Achterbahnfahrt ab: Temporeich führt die spannende Handlung von einer Station zur nächsten bis nach oben an die Oberfläche, in das verwüstete, eiskalte und verstrahlte Moskau, das nur mit Gasmaske und bewaffneter Begleitung zu überleben ist, und dann wieder zurück in die dunkelsten Tiefen der Stadt unter der Stadt, um im Finale wieder hoch über den Ruinen zu enden. Wie bei einer Achterbahnfahrt bleibt aber auch in »Metro 2033« nur wenig Zeit, um die teils atemberaubend atmosphärische Szenerie zu würdigen oder gar vom linearen Weg abzuschweifen. Ebenfalls wie bei einer Achterbahnfahrt ist der adrenalingetränkte Spaß auch viel zu schnell wieder vorbei. In die knapp acht Stunden Spieldauer passt aber ganz schön viel Abwechslung: Spannende Schleichpassagen mit Nachtsichtgerät, hektische Abwehrkämpfe gegen anstürmende Kreaturen, kleinere Rätseleinlagen mit KI-Begleitung, unheimliche Wanderungen durch von Gespenstern bevölkerte Ruinen und atmosphärische Endzeitmelancholie in den dicht bevölkerten Stationen – aus so viel Material hätten andere Entwickler wohl ein doppelt so langes, aber dafür weniger mitreißendes Spiel gemacht. Nach Spielende ist für zumindest eine zweite Runde mit der rasenden Metro gesorgt: Sensible Tunnelforscher werden mit einem alternativen Ende belohnt. »Metro 2033« spart sich den Multiplayerteil, liefert aber dafür einen der atmosphärischsten und dramaturgisch spannendsten First-Person-Shooter der letzten Jahre für Einzelspieler.
Titel: »Metro 2033«
Plattform: PC, Xbox360, Xbos Live
Hersteller: THQ Entertainment GmbH
Release: 16. März 2010