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Play it again, Santa!
Was für ein Jahr das doch wieder war! Inspiriert von Verkaufsrekorden 2010 setzte die Videospielindustrie heuer zum unermüdlichen Blockbuster-Reigen an. Nach einer kreativ wie kommerziell gut gesättigten ersten Hälfte folgte ab September das Feuerwerk zur Hauptsaison. Egal, ob für vereinsamte Exilstudenten oder den Papa im Weihnachtsmannkostüm: Der leinwandreife Jahresausklang wird teuer.
Mit der eigentümlichen Tradition, wonach die brutalsten Kriegsspiele für gewöhnlich zur besinnlichsten Zeit erscheinen, wurde nicht gebrochen. Das große Duell ist bereits mit dem marketingträchtigen Konkurrenzgebalge zwischen EAs »Battlefield 3« und Activisions »Call Of Duty: Modern Warfare 3« ausgetragen worden. Dank bislang unerreicht detailgetreuen Online-Gefechten und zerstörerischer Authentizität übertönte das Gelärme des »dritten Schlachtfelds« vorübergehend sogar »every schoolboy’s darling«. Am Ende hieß es dann doch 2:1 für den Pflichtruf: Das vierte Mal in Folge übertraf »Call Of Duty« alle Prognosen und wurde zum bislang umsatzträchtigsten Unterhaltungswerk der Geschichte. Eine herbe Niederlage mussten überdies bestialische Erdenbesucher mit interstellarem Migrationshintergrund bei den Serienfinali von »Resistance 3« und »Gears Of War 3« hinnehmen. Egoshooter-Nostalgiker sowie Technikverliebte erwarteten darüber hinaus sehnsüchtig id Softwares erstes neues Franchise seit »Quake«. »Rage« setzt auf gewohnt forderndes Geballere und flinke Mutanten, begeistert aber vielleicht noch ein Stück mehr durch seine völlig neues Grafikgerüst der id-Tech-5-Engine. Wenngleich sich das wütende Gameplay etwas zu viel vom guten Alten anmerken lässt, der Aufputz ist bereit für die nächste Konsolengeneration.
Abenteuerreise für Couchpotatoes
Zum dritten Mal die Revolvertrommel anwerfen durfte ebenso Neo-Indiana-Jones Nathan Drake. Der kesse Schatzsucher macht sich in »Uncharted 3: Drake’s Deception« auf die Reise zum »Atlantis des Sandes«. Mit herzhaften Sprüchen, unfassbaren Schauplätzen und reichlich Mystik zeigt Entwickler Naughty Dog abermals, dass sich Gamepad-Geschichten vor Hollywood-Produktionen nicht mehr zu verstecken brauchen. Ins gleiche Bockshorn stieß die Fortsetzung zum Überraschungshit von 2009. »Batman: Arkham City« widerlegt dabei gleich zwei Klischees: Lizenzspiele können nämlich durchaus mehr als seelenlose Cash-ins sein und Comics lassen sich durch hübsche Polygone als angreifbare Welten zum Leben erwecken. Als Fledermausmann in der Gefängnisstadt, umgeben von den fiesesten Bösewichten Gotham Citys, fühlt man sich bei Jokers schallendem Lachen und Catwomans synapsenkitzelndem Schnurren wie ein 70er-Jahre-Kind auf der Comic Convention. Nur, dass die Kostüme besser sind, die eigenen Fähigkeiten überwältigen und der Held des alten »Star Wars« aus dem diabolischen Clowngesicht spricht. Für Fans eine enthüllende Erleichterung, aber leider nicht ganz auf Augenhöhe, ist der Abschluss der historischen Attentäter Ezio und Altair in »Assassin’s Creed: Revelations«. Vorhersehbar wie eh und je feierten die Fußballserien »FIFA« und »Pro Evolution Soccer« im September ihre Neuauflagen. Und dennoch hat sich einiges getan: Dank immer realistischerer Ballphysik, Passsysteme, Spielaufbaustrategien und authentischeren Team-Reproduktionen spielt das österreichische Nationalteam virtuell erstmals ebenso unglücklich wie real. Was aber auch egal ist, statistisch gesehen wählt so und so jeder zweite Wohnzimmerkicker den FC Barcelona, während sich die andere Hälfte darüber ärgert, nicht schnell genug gedrückt zu haben. Die Unparteiischen der Presse haben sich dieses Jahr übrigens mehrheitlich für »FIFA 12« anstelle von »Pro Evolution Soccer 2012« entschieden. Die Kritiker waren im Schnitt mehr vom Mut zum etwas langsameren Spielgefühl bei krachender Stadionatmosphäre als von der glaubwürdigeren Ballphysik mit fehlenden Lizenzen angetan.
Die Rolle deines Lebens
Unvergesslich bleiben die wohl selbst bis Anfang 2012 unvollendeten Entdeckungen in »The Elder Scrolls V: Skyrim«. Wer sich immer schon auf den Weg machen wollte einen oder gleich mehrere Drachen zu besiegen, wird keine bessere Gelegenheit finden. Versinkend in einem dynamisch wachsenden Epos stellt man als Fantasy-Freund erst nach schlaflosen Nächten fest, dass man den 15. Vorsatz abzudrehen, noch immer nicht befolgt hat. Umso deutlicher ruft »Dark Souls« einem die Endlichkeit des eskapistischen Vergnügens in Erinnerung. Mehr als 50 schwertkampferprobte Tester namhafter Publikationen resümierten mit dem Motto des dämonischen Rollenspiels: »Machen Sie sich bereit zu sterben.« Kein anderes Werk definiert den Begriff »Hardcore« besser. Die knochenharte Fairness des Spiels um Überleben und Tod wird den mutigen Masochisten für alle Zeiten im Gedächtnis bleiben. Die kunterbunten Bilder von Nintendos einzigem erwähnenswertem Wii-Titel seit zwölf Monaten stimmen die Geschändeten wiederum versöhnlich. »The Legend Of Zelda: Skyward Sword« wurde als krönender Abschluss der angestaubten Fuchtel-Konsole ausgerufen und erweist sich schlussendlich als die späte Referenz für Motion-Gaming. Wenn man die unzeitgemäße Präsentation ignoriert, lässt einen die kunstvolle Klingenführung an intuitive Bewegungs-
Controller glauben. Beinahe schon abgeschrieben, erhielt auch der erst im März gestartete Spiele-Handheld 3DS im November erste echte Kaufanreize. »Mario Kart 7« bläst zur gewohnt pausenfüllenden Wettfahrt und »Super Mario 3D Land« rechtfertigt die Drei im Konsolenschriftzug. Microsoft perfektionierte hingegen mit dem vierten Teil seinen Rennsport-Simulator »Forza Motorsport« und frönt ansonsten der Kinect’schen Casual-Gamerei, genauso wie Sony sich für Move ins Zeug legt. Die etwas vernachlässigten PC-Spieler kamen zu guter Letzt auch noch auf exklusive Kosten: »Anno 2070« verschmilzt bestechender denn je Strategiesucht mit Öko-Bewusstsein und das Online-Rollenspiel-Machwerk »Star Wars: The Old Republic« lädt kurz vor Jahresende alle zum Krieg der (Weihnachts-)Sterne ein.