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Die Magie des Weglassens
Ein Klavier, eine Basstrommel. Die Stimme von Andreas Spechtl: »Wohin ich blicke, seh ich jemand / Der sich für jemand andern zum Trottel macht / Und ich befürchte, das hat sich nicht einmal / Nein, das hat sich niemand ausgedacht.« So beginnt mit »This Ship Ought To Sink« »DMD KIU LIDT« das vierte Album von Ja, Panik, jener 2005 im Burgenland gegründeten, heute in Berlin lebenden und arbeitenden Band, die spätestens seit »The Angst And The Money« (2009) großen überregionalen Publikums- und Kritikerzuspruch erfährt. Mit dem Titelstück endet das erneut von Moses Schneider (Beatsteaks, Fehlfarben, Kreator) produzierte Album. Der Player auf dem Laptop veranschlagt dafür 22 Minuten und 52 Sekunden. Um Minute 13 hören wir zur zarten Gitarre: »Lass es mich doch zu Ende bringen / Lass mich mein seltsames Lied jetzt zu Ende singen / Du kannst zuhören oder gehen / Nur sei still, ach, sei so lieb / Da kommen noch ein paar Strophen / An denen mir mehr als an allen anderen liegt.« Die Stimme schweigt, dann, nach einigen Takten auch die Musik und – Stille.
In ungewohnter Zurückhaltung
Dazwischen: 14 Lieder, alle mit englischen Titeln – »Sorry for my bad english / But my german is even worse«, heißt es in »Trouble«, der ersten Single – großteils von einer für Ja, Panik und den für seinen fetten Rock-Sound geschätzten Moses Schneider ungewohnten Zartheit und Zurückhaltung, ohne dass die Rede von einem Singer-Songwriter-Album ist. »Ja, Panik haben musikalisch aufgeschlossen«, sagt Spechtl über das neue Album der Band, bei der »privates« Leben und Musik immer schon nahe bei einander lagen. Sebastian Janata, Stefan Pabst, Christian Treppo und Thomas Schleicher sind mit Andreas Ja, Panik, gemeinsam haben sie diese 16 Lieder nach langem Vor- und Ausarbeiten in wenigen Tagen eingespielt. Der Gruppensound live im Raum, der vom Gefühl her beste Take – »für die Fehler, für die Magie« – waren Kriterien für die Gestaltung einer Musik, die einen anders als früher nicht mehr anspringt und geradezu überrennt, sondern Raum gibt und einen so ganz weit hineinlässt und –zieht. Die deutsch-englische Poesie, die Stimme(n), die genau gesetzten Töne – keine Sorge, es kracht und rockt, die Disco hat offen, und Glam ist eine geile Freundin – sind gleichberechtigte Elemente dieses Meisterwerks. »Das war eine große Sache, ich habe richtige Lieder geschrieben, weg von diesem Collagen-Ding. Wo früher immer noch eine Idee dazu gekommen ist, haben wir geschaut: Wie viel kann man wegnehmen?« Bei den ersten Release-Shows werden Ja, Panik »DMD KIU LIDT« in voller Länge spielen. Als Besucher wird man vor der Bühne stehen und sich gegenseitig endlich einmal enthusiastisch ins Ohr flüstern können: »Du, Ja, Panik sind der neue, elektrische Dylan!« Sie spielen »Nevermind«: »Vielleicht, weil es dich nur als den einen gibt / Hinter dem das Viele liegt / Bist du fürchterlich verängstigt / Aber, Sebastian, nevermind / Solang sich deine Situation / In meine Richtung neigt.«
Artist: Ja, Panik
Titel: »DMD KIU LIDT«
Label: Staatsakt
Release: 15. April 2011