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Quo vadis, Euro - Disco?
Nach drei Runden war Schluss. Als Victoria Hesketh mit 16 ihr Glück bei der britischen Casting - Show "Pop Idol" versuchte, waren die Götter aka die Jury nicht besonders gnädig. Wenn Heskeths Traum, Popstar zu werden, nun mit Little Boots doch wahr wird – angesichts der Vorschlusslorbeeren der letzten Monate, seit ihr Song " Stuck On Repeat", bei dem Joe Goddard von Hot Chip seine Finger im Spiel hatte, in Wiederholungsschleife durch die Blogs lief, sieht es ganz danach aus –, dann ist das das Ergebnis harter Arbeit. Nach Versuchen bei "Pop Idol", mit Jazz - Bands und dem Trio Dead Disco klappte es mit dem genauen Gegenteil der großen Pose: Hesketh saß schüchtern in ihrem Schlafzimmer am Klavier und gab via Youtube Covers von Kanye West oder Wham! zum Besten.
In Puncto Größe auf Summer sicher
Die Tatsache, dass diese heimelige Inszenierung den großen Hype
gezündet hat, ist für Hesketh kein Widerspruch, sondern eben Teil der Arbeit am Projekt Popstar. Das Allein - am - Klavier - Sitzen beschreibt sie als die genuine Little - Boots - Situation, in der alle Songs entstehen und ohne die es den glitzernden Bombast ihres ersten Albums nicht geben würde. "Es ist, als würde ich je nach Umgebung um mich herum schrumpfen und wachsen. Bei einem Interview bin ich vielleicht ein wenig größer als zu Hause im Schlafzimmer, aber andererseits natürlich viel kleiner, als wenn ich bei einem Konzert auf der Bühne stehe. Abhängig von dem, was ich gerade tue, verändere ich meine Größe."
Für "Hands" ging Hesketh mit ihrem Produktionsteam – allen voran Greg Kurstin, der zuletzt in den Diensten von Lily Allen, Ladyhawke und Sophie Ellis - Bextor stand – in puncto Größe auf Nummer sicher. Lieber zu viel statt zu wenig: viel Plakativität und Glamour - Getöse, immer noch ein Sound - Filter und noch eine Gesangsspur obendrauf, immer noch mehr Goldreifen an den Handgelenken, noch schwerere Kristallketten um den Hals. Etwas uncharmant könnte man das Ergebnis aufgeblasen nennen. Aber Hesketh steht zu ihren Ambitionen. Hätte sie die Wahl zwischen Masse und Klasse, würde sie wohl keine Sekunde zögern.
"Es ist, als würde ich je nach Umgebung um mich
herum schrumpfen und wachsen. Bei einem Interview
bin ich vielleicht ein wenig größer als zu Hause, aber andererseits natürlich viel kleiner, als wenn ich bei einem Konzert auf der Bühne stehe."
Dazu passt ihr Pseudonym. Seit sie gemeinsam den Film "Caligula" über den dekadenten Imperator mit dem Spitznamen "Stiefelchen" gesehen haben, wird sie von einer Freundin nur noch Little Boots genannt. Und mit Heskeths Vorliebe, auf hochhackigen Schuhen durchs Leben zu staksen, wird das wohl auch zu tun haben.
Die Triumphbögen sind inzwischen aufgebaut. Little Boots wird nach dem Lärm im Vorfeld ihres Albums wohl geradewegs in die Top Ten stiefeln. "Hands" ist catchy, überladen und funktioniert auch beim Autodrom im Wurstelprater prächtig. Mit Euro - Disco fährt sich’s immer noch am besten zum Charts - Crash.
Deswegen schleudern einige Refrains aber auch arg in Richtung Schlager - Balla - Balla davon. Am besten ist Little Boots dann, wenn sie nach 80er - Pop - Klassik klingt, etwa im Duett mit Philip Oakey von The Human League. Es könnte gut sein, dass nach drei schnellen Hits schnell wieder Schluss ist für Little Boots. Aber wer ein Popstar sein will, sollte eine Kunst besonders gut beherrschen: die, sich selbst immer wieder neu zu erfinden. Es sieht so aus, als würde auf Hesketh wieder viel harte Arbeit zukommen.
Little Boots
"Hands"
Label: 679 Recordings
Release: 19. Juni 2009